Festival-Krieg 2015: Kann es überhaupt einen Sieger geben?

Ein großes Donnern ging 2014 durch die deutsche Festivallandschaft und nicht zuletzt auch durch die Veranstaltungsbranche. Der neue Betreiber des Nürburgrings, die capricorn GROUP kündigte Ende Mai der Marek Lieberberg Konzertagentur nach 29 Jahren die Zusammenarbeit, da der Betreiber andere Vorstellungen über den neu zu verhandelnden Mietvertrag hatte. Marek Lieberberg kündigte daraufhin umgehend an, daß Festival unter gleichem Namen an einem anderen Veranstaltungsort durchführen zu wollen. Es begann eine gerichtliche Auseinandersetzung über die Namensrechte, in der sich Marek Lieberberg in der zweiten Instanz durchsetzte und somit auch zukünftig den Namen „Rock am Ring“ unabhängig von der Location nutzen darf.

In der Zwischenzeit hatte der Nürburgring seine zukünftigen Planungen vorgestellt: Ein neues Festival unter dem Titel „Grüne Hölle“ soll ab 2015 „Rock am Ring“ ersetzten. Dabei kooperieren die neuen Betreiber nunmehr mit der Deutschen Entertainment AG (DEAG). Diese bedient sich dabei ihrer Konzerngesellschaft Wizard Promotions unter der Leitung von Ossy & Oliver Hoppe sowie ihrem internationalen Partner Kilimanjaro Live unter der Federführung von Stuart Galbraith. Termin für 2015 soll der 05.-07. Juni sein, also der traditionelle „Rock am Ring“ Termin, den auch Lieberberg für seine Planung 2015 angekündigte hatte. Der neue Veranstalter geht also von der ersten Minute auf direkte Konfrontation.

Das Echo ließ nicht lange auf sich warten: Nachdem lange Zeit Mönchengladbach als Favorit für „Rock am Ring“ 2015 galt, gab Lieberberg am 18.09.2014 bekannt, sein Festival auf einem alten Flugplatz in Mending auszurichten. Dabei ist zu beachten, daß Mending lediglich 30 km vom Nürburgring entfernt liegt. Damit war die größtmögliche Konfrontation perfekt.

Es buhlen als zwei (renommierte) Veranstalter um exakt die gleiche Zielgruppe und das am gleichen Termin und in unmittelbarer Nachbarschaft. Und das Buhlen gilt nicht nur auf der Kundenseite, sondern auch in der Beschaffung, sprich im Künstlerbooking. Da hier die klassischen Marktregeln gelten und der Preis auch durch die Nachfrage gesteuert wird, werden die Gagen für Bands sicher ansteigen, wenn zwei Veranstalter unter großem Druck um die „großen Fische“ kämpfen, welche in der starken Wettbewerbssituation besonders relevant sind. Einer Umfrage des Musikexpress zufolge, machen 35,4 % der Befragten die Wahl zwischen „Rock am Ring“ und „Grüne Hölle“ vom Line-up abhängig. Beide Wettbewerber stecken als in einem Dilemma: Sie benötigen ein attraktives Produkt um am Markt zu bestehen. Da die Bausteine hierzu (also die Künstler) extrem knapp sind und die Nachfrage hoch steigen die Preise. Auf der anderen Seite kannibalisieren sich beide durch den Termin, da exakt die gleiche Besuchergruppe angesprochen wird.

Daraus abgeleitet wird keiner der beiden (ökonomisch) als Sieger aus dem den Krieg gehen. Es ist letztlich die Frage, wer den längeren Atem hat und wer im ersten Jahr den besseren Einstand feiert. Und hier sprechen viele Indizien für Marek Lieberberg. Neben der größeren Festivalkompetenz hat er sowohl durch den gesicherten Markennamen „Rock am Ring“ als auch durch bessere und langjährige Bookinghistorien Vorteile. Darüber hinaus fällt besonders ein Pfund ins Gewichr: Durch das von Lieberberg parallel veranstaltetet Festival „Rock im Park“ kann er bei Künstlern direkt 2 Gigs buchen, was im Zweifelsfall den entscheidenden Unterschied machen wird!

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